Am 25. und 26. Januar 2018 fand die vierte Payment-Exchange (PEX) in Berlin statt. Das Event richtet sich an die Impulsgeber der Payment- und Banking-Branche und ist das Event, um sich umfassend über die aktuellen Entwicklungen und großen Trends der Branche zu informieren. Und natürlich ausgiebig zu networken. Auf dem Blog PAYMENTANDBANKING wurde zur PEX schon alles Relevante geschrieben. Deshalb schreibe ich hier nur über das, was ich speziell für “meine” 😉 Online-Händler für relevant erachte (und auch während der PEX schon getwittert habe):

Mobility Panel

  • DriveNow und car2go haben Voice im Einsatz und sehen hier großes Potential.
  • DriveNow: wenn die Warenkörbe klein, aber von der Anzahl her sehr hoch sind, ist es sinnvoll mit einem PSP zusammen zu arbeiten. Denn dann können andere Transaktionsgebühren vereinbart werden und auch eigene Ideen einfließen.
  • Uber schaut in jedem Markt (Land) genau, wie bezahlt wird, bevor mit der Einbindung möglicher Zahlarten begonnen wird.
  • Plan von Uber ist, in 18 Monaten autonomes Fahren zu ermöglichen. Hier bin ich sehr gespannt, ob dieses sportliche Ziel erreicht wird.

AI Panel

  • Regeln vs. Machine Learning: Regeln sind leicht verständlich, aber -da von Menschen erstellt- oft voreingenommen oder veraltet. Machine Learning kann Zusammenhänge erkennen und auch die Regeln überprüfen. Fazit: das Zusammenspiel von beiden ist wichtig.
  • Steven Lemm von Outfittery: Algorithmen sind wie Medikamente: keiner weiß, warum sie funktionieren. Aber sie tun’s (und klaro gab es vorher sehr viele Tests).

Wallet und Marktplatz Panel

  • Amazon Payments ist für die Kunden von Breuninger kein Thema.
  • Sowohl OTTO als auch Breuninger warten auf ApplePay, gerade auch für die jüngere Zielgruppe.
  • PSD2 stellt Marktplätze vor neue, technologische und regulatorische Herausforderungen. Die Plattformen müssen Subunternehmen schnell und unkompliziert onboarden und verifizieren, Gelder müssen zwischen mehreren Parteien gesplittet werden können und das über Länder hinweg.
  • Durch regulatorische Herausforderungen ist es auch für die großen Player nicht so einfach, sich als Marktplatz zu öffnen. So müssten rechtlich eigentlich mehrere Checkouts angeboten werden.
  • Instant Payment: gewünscht wird eine direkte Breitenverfügbarkeit OHNE Registrierungsschritt (und auch für POS nutzbar).
  • Payback (Pay) hat vor, Online zu starten.

Cybercrime Panel

  • Vincent Haupert (das ist der mit dem N26 Hack) hat das Gefühl, dass sich viele Unternehmen nur noch auf ihren Airbag (=externe Dienstleister) verlassen und den eigenen Sicherheitsgurt abgeschafft haben. Auch wenn’s weh tut ist für ihn die Regulierung die Antwort.
  • Mal eine andere Sichtweise von Frank Rieger, dem Sprecher des Chaos Computer Clubs: “Auch die Hacker denken in „Return on Investment“ und haben Business Modelle. Cybercrime ist ein Geschäft. Und dies wechselt gerade von B2B zu B2C.”
  • Für mache Unternehmen ist ein Hack wie eine Naturkatastrophe: “Es passiert eben mal, da kann man nichts machen” meint Frank Rieger. Sicherste Variante ist seiner Meinung, die Anwendungsoberfläche zu reduzieren. Heißt: nur EINE wichtige Anwendung auf genau einem PC. Hardware ist heutzutage billig genug für eine solche Hardware-Separation.
  • Sein Tipp um zu sehen, woher Spam kommt: bei einer Online-Bestellung einen zweiten Vornamen mit dem Shop-Namen angeben (z.B. bei ZALANDO: Max Zalando Müller).
  • Frank Rieger sieht durch den Hack im Bundestag eine riesen Chance für die IT-Security: Seiner Meinung nach wird es bald von der Politik eine „digitale Haltbarkeit“ der Hardware bezüglich der Software-Updates geben. Denn PCs, die heute stationär gekauft werden, können schon „Elektroschrott“ sein, da es hierfür gar keine Updates mehr gibt = potentielle Angriffsfläche.
  • Manche Unternehmen haben in ihrer WebApplikation bis zu 100 externe Services (Schriften, Uhr usw.)! So kann eigentlich gar keine Haftung mehr übernommen werden. “Externe Abhängigkeiten von Software stellen ein schwer zu kontrollierendes Risiko da”, betonen beide Experten.
  • Datenschutz: personenbezogene Daten zu speichern ist wie Plutonium: Man kann tolle Sachen damit machen, aber wenn zuviel davon da ist, gehts irgendwann schief. Darum unbedingt diese Daten in andere Datenbanken speichern oder, sobald möglich (Stichwort: Zweckbindung), anonymisieren.

Identity Panel

  • Warum das Thema Identity jetzt so relevant ist: nach 25 Jahren „Wilder Westen“ im Internet gibt es zu viele Teilidentitäten, die für die Menschen nur noch schwer händelbar sind. Hier muss dringend eine Lösung geschaffen werden. Am besten eine einheitliche, aber das gestaltet sich in Deutschland eher schwierig (siehe hierzu auch mein Blogbeitrag zur OMNISECURE 2018).
  • Sind Identitätsservices das „neue“ Mobile Payment? Es gibt hier viele Anbieter, technisch ist es fertig und funktioniert. Nur leider stehen sich die Anbieter gegenseitig im Weg, viel Geld wird verbrannt und keiner nutzt es am Ende, weil zu fragmentiert.
  • Vision „Identity 2019“: Technisch wird es funktionieren. Es wird neue Anbieter/Allianzen geben. Die Gesamtakzeptanz wird aber noch dauern (3-5 Jahre auf niedrigem Niveau). Denn Datenschutz ist in Deutschland ein zu kritisches Thema.
  • Holger Friedrich von VERIMI sieht die Herausforderung, dass die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung und die Geschwindigkeit des organisatorischen Reifegrads noch auseinander gehen.

 Keynote „Shopping 2.0“

 Konstantin Ewald von der Kanzlei Osborne Clarke sprach sehr verständlich und unterhaltsam über conversionoptimiertes Shopping 2.0, ohne den ganzen „Juristenquatsch“.

  • Die AGB-Checkbox im Checkout wird rechtlich nicht benötigt. Es reicht, dem Kunden eine faire Möglichkeit zu geben, die AGB einzusehen. Es gibt aber Kunden, die wollen die Checkbox, um das Gefühl zu haben, aktiv dem Kaufvertrag zuzustimmen.
  • Nach der DSGVO ist vor der ePrivacy-Verordnung (“wie spreche ich meine Kunden an”). Hier nicht zu spät anfangen!

Fazit

Zusammengefasst kann ich sagen, dass die PEX 2018 wieder eine extrem gelungende Veranstaltung mit vielen hochaktuellen Themen und grandiosen Speakern war. Und mit viel Zeit zum Networken. Nur die Online-Händler habe ich dieses Mal vermisst (oder durch eine fehlende Teilnehmerliste einfach nur nicht getroffen). Ich freue mich auf jeden Fall schon aufs nächste Jahr.

 

 

Nicole
berät als Payment-Expertin seit über 20 Jahren Unternehmen in den Branchen Handel/eCommerce sowie im Finanzsektor. Auch unterstützt sie diverse Online-Händler als Payment-Manager.

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